Warum syt dir so hässig? Das Eltern-Paradoxon: Die Kinder über alles lieben – und wütend auf sie sein

Zitierter Ausschnitt aus dem Artikel von Anita Blumer, Journalistin beim Tagesanzeiger, erschienen im Magazin des Tagesanzeigers am 11. März 2023, in diesem wird mein Workshop “Tut Wut gut?” und ich als Kursleiterin erwähnt.

Risikofaktor – Tabu

Wut und Aggressionen sind potenziell gefährlich und haben keinen Platz in unserer Gesellschaft. Dass das problematisch ist, erklärte der mittlerweile verstorbene Erziehungswissenschaftler Jesper Juul in seinem Buch «Aggression. Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist». Wenn wir negative Gefühle wie Wut, Aggression,Frustration und Hass tabuisieren, lernen wir nicht, damit umzugehen.Wenn mein Kind wütend wird, will ich, dass es sich so schnell wie möglich beruhigt. Obwohl ich denke, dass ich gerade alles tue, um meinem Kind zu helfen, geht es eigentlich um mich: Ich halte seine Wut nicht aus.

Ich habe eine Erinnerung an meine eigene kindliche Wut. Ich hatte Haselnüsse gesammelt und wollte sie meiner Mutter zeigen. Ich stand unter dem Küchenfenster, und sie sagte, sie komme gleich. Das Warten fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Ich wurde wütend und warf die Haselnüsse ins Gras. Kurz darauf schaute meine Mutter aus dem Fenster. Als ich ihr sagte, dass ich die Nüsse weggeworfen hatte, gab sie einen genervten Kommentar ab und schloss das Fenster. Ich bereute meine Wut. Jetzt hatte ich nicht nur die Haselnüsse verloren, sondern auch die Aufmerksamkeit meiner Mutter, die mir doch so wichtig gewesen war.

In meiner Familie ging man nicht konstruktiv mit negativen Gefühlen um. So wie in den meisten Familien zu jener Zeit. «Sei nicht traurig! Nicht weinen!» Das waren tröstende Worte in meiner Kindheit. Heute sagt man: «Ich verstehe, dass du traurig bist. Gell, es tut gut zu weinen.» Aber dieses «Sei nicht traurig!» wirkt immer noch nach. Und das «Ich verstehe, dass du traurig bist» fühlt sich manchmal künstlich an.

Samstagvormittag in Oerlikon. Zusammen mit neun Müttern und einem Vater besuche ich einen Eltern-Workshop zum Thema. Schon die Vorstellungsrunde ist sehr emotional. Während wir einander von unseren Überforderungen berichten, fällt vieles von uns ab. Der Austausch mit anderen Eltern in diesem geschützten Rahmen tut gut. Viele Eltern glauben, dass sie mit ihren Problemen die Ausnahme sind und es bei allen anderen super läuft. Sie schämen sich für ihre Wutausbrüche und haben das Gefühl, zu versagen. Wir reflektieren schwierige Situationen mit unseren Kindern und versuchen zu ergründen, wie unsere Haltung mit dem Verhalten der Kinder zusammenhängt.

Oft sind wir angespannt, weil wir denken, dass das Kind sich in einer bestimmten Situation widersetzen wird. Es sei wichtig, sagt Kursleiterin Maya Risch, den Blick auf das Kind immer wieder freizumachen von alten Vorurteilen und ihm offen und neugierig zu begegnen. Sich zu fragen: Wer bist du eigentlich? Und: Was willst du mir mitteilen?

Viele Eltern versuchen einen bedürfnisorientierten, empathischen und liebevollen Erziehungsstil zu praktizieren, den sie so selbst nicht erlebt haben. Sie wissen, dass es gesund und wichtig ist, wenn Kinder sich vehement für ihre Interessen einsetzen. Aber intuitiv wehren sie sich gegen dieses Verhalten und greifen auf Muster zurück, die ihnen aus der eigenen Kindheit vertraut sind. Das Kind soll aufhören, brav sein, kein Theater machen. Eigentlich wünschen wir uns noch immer, dass unsere Kinder sich einfach benehmen und machen, was wir ihnen sagen.”

Den ganzen Artikel könnt ihr online beim Tagesanzeiger lesen, allerdings leider nur über ein Probeabo, da er hiner einer Paywall erschienen ist.

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