“Tut Wut gut?”

“Tut Wut gut?”

Wut ist wird oft negativ bewertet, weil wir keine Gewalt wollen. Deshalb soll die Wut auch weg.
Dabei kann sie uns, rechtzeitig ausgedrückt, wirklich eine Hilfe sein im Leben, denn sie bringt viel Kraft mit sich.

Dieser Artikel ist im April 2020 auf www.familienleben.ch erschienen.

Mit einem Klick auf den Titel  kannst du den Artikel als PDF downloaden.

Ausstieg aus dem Machtkampf

Machtkämpfe hinterlassen in erster Linie Verlierer. Sie tun keiner Beziehung gut. Obwohl wir das eigentlich alle wissen, schlittern wir doch immer wieder unvermittelt in Machtkämpfe, gerade als Eltern. Ausstieg aus dem Machtkampf ist deshalb nötig.

Und dann stecken wir darin fest. Wie ich kürzlich, als mein Sohn seine nassen Badesachen in der Schule vergass. Ich verlangte: «Geh bitte die Sachen im Schulhaus holen!» Er weigerte sich: «Nein!» «Ganz sicher gehst Du das jetzt holen!» Und schon waren wir in einen Machtkampf verstrickt. Druck erzeugt Gegendruck. Beide kämpften immer lauter und mit viel Kraft verbissen für das eigene Ziel, ohne einander richtig zuzuhören. Die Stimmung verschlechterte sich und eine konstruktive Lösung unseres Konflikts wurde unmöglich.

Die Ausgangslage war natürlich ein Konflikt, da ich etwas wollte und er etwas anderes. Es hätte trotzdem kein Machtkampf draus werden müssen, und doch geschieht genau dies immer mal wieder. Umso wichtiger stellt sich die Frage, ob und wie wir wieder aus diesem Kampf ausbrechen können.

Aus einem Machtkampf auszusteigen ist sehr schwierig, weil wir den Ausstieg als Niederlage erleben. Das eigene Ziel mittendrin aufzugeben fühlt sich nicht nur für das Kind sondern auch für mich als Erwachsene fast unmöglich an. Inzwischen habe ich aber einen Weg gefunden, der bei mir meistens funktioniert. Diesen möchte ich mit Euch teilen.

Wenn ich wahrnehme, dass ich in einen Machtkampf geraten bin, reagiere ich (an einem guten Tag) indem ich sage: “Ich merke, dass wir beide so verbissen kämpfen. Ich will aber gar nicht mit dir kämpfen. Lass uns später reden. Vielleicht kannst du mir dann sagen, wann du die Badehosen holst.”

Gelingt es mir so, den Druck wegzunehmen und auszusteigen, kann auch das Kind aufhören zu kämpfen. Der Konflikt ist damit zwar noch nicht gelöst, aber niemand fühlt sich als Verlierer und wir können wieder in Beziehung zueinander treten. Und oft kommt vom Kind auf einmal ein konstruktiver Vorschlag.

Wie wir ein Familienklima schaffen, in dem wir grundsätzlich weniger in Machtkämpfe geraten, ist natürlich ebenso zentral wie der Ausstieg daraus. Darüber ein andermal mehr.

Aktuell

“Tut Wut gut?” Umgang mit Wut und Aggression

"Tut Wut gut?" Umgang mit Aggression, www.mayarisch.ch

“Tut Wut gut?”
U
mgang mit Wut und Aggression

In vielen Familien stellt der Umgang mit Wut und Aggression von Kindern eine grosse Herausforderung dar. Jesper Juul hat meiner Meinung nach eine interessante Sicht zu diesem Thema zu bieten.

Unsere aggressiven Emotionen werden oft dann mobilisiert, wenn wir uns nicht als so wertvoll für einen anderen Menschen empfinden, wie wir es gerne wären oder wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Was denkt ihr? “Tut Wut gut?”
“Hmm , also wenn mein Kind wütend ist, schreit und tobt, dann tut mir das nicht gut, es stresst mich, macht mich oft hilflos, weil ich nicht weiss, wie ich damit umgehen soll”, sagt meine Freundin, als ich ihr die entsprechende Frage stelle. Und was sagt ihr Sohn? “Ja, mir tut es gut, wütend zu sein, Dampf abzulassen. Wenn ich ganz laut schreie und wüte, bin ich nachher irgendwie leichter und ruhiger,” antwortet der Junge, als ich ihn frage.

Wie begegnest Du deinem Kind, wenn es “geladen”, aggressiv nach Hause kommt? Wie drückst Du deinen Unmut aus, wenn du dich ärgerst und wie geht es dir dabei?

Wenn du wissen willst, wozu Aggression gut ist, wie Du mit Wutanfällen Deines Kindes umgehen kannst und Deine Erfahrungen mit anderen Eltern austauschen möchtest, biete ich Dir untenstehenden Workshop an.

So haben Teilnehmende den Workshop erlebt


Nächste Workshops “Tut Wut gut?”

Donnerstag, 7.10. und Dienstag, 26.10.21
2×2 Std. online an zwei Abenden

 Auf dem Laufenden bleiben und weitere Kursdaten direkt zugeschickt bekommen

Weil wir glauben oder erlebt haben, dass Aggression zu Gewalt führt oder weil wir andere schmerzhafte Erfahrungen mit dem Ausdrücken von Wut gemacht haben, lassen wir sie nur ungern zu und tun uns schwer damit, einen adäquaten Umgang mit der Wut unserer Kinder und unserer eigenen Aggression zu finden.

An diesem Workshop erhältst Du Anregungen dafür wie Du gelassener auf die Wutausbrüche Deines Kindes reagieren kannst. Wir beschäftigen uns damit, welche wichtigen Aufgaben die Wut im menschlichen Dasein erfüllt.  Ich vermittle Wissen und wir setzen uns in der Gruppe mit folgenden Fragen auseinander:

  • Wie können wir der Wut unserer Kinder konstruktiv begegnen?
  • Welche Strategien haben wir Erwachsenen, unsere Gefühle zu regulieren?
  • Wie geht es uns, wenn wir wütend sind?
  • Was steckt hinter der Aggression?
  • Was zeigt sie uns?
  • Wozu ist Wut gut?

Fachlicher Input und Austausch, neue Impulse und Reflexion sind Teil dieses Workshops.
Am ersten Abend erhaltet ihr vor allem Wissen und Informationen zum Thema und wir setzen uns mit unserer eigenen Wut und Strategien zur Regulierung auseinander. Der Umgang mit der Wut der Kinder sowie Eure Fragen und persönlichen Situationen, für die ihr neue Wege sucht, stehen am zeiten Abend im Zentrum.

Für Eltern, Grosseltern und weitere Interessierte

Kosten: Fr.90.-/Person (letztmals so günstig zu haben)
Anmeldung: kontakt@mayarisch.ch

Wenn Du lieber den Umgang mit diesem wichtigen Thema lieber in einem individuellen Gespräch besprechen willst, dann begleite ich Dich gern im Rahmen einer Beratung dabei. Dies ist Online möglich oder in meiner Praxis am Rosmarinweg 3, 8057 Zürich.

Wut ist eine Kraft

Jesper Juul, Artikel zu Aggression

Buchtipp: Jesper Juul, Aggression, erhältlich im Onlineshop von familylab.ch