Auch Kinder haben Grenzen

Auch Kinder haben Grenzen - Blogbeitrag von Maya Risch www.mayarisch.ch

Auch Kinder haben Grenzen - Blogbeitrag von Maya Risch www.mayarisch.ch

Auch Kinder haben Grenzen

Kinder sind von Geburt weg soziale Wesen und wollen wertvoll sein für uns und ihre Familie. Deshalb kooperieren sie mit unseren Bedürfnissen oft weit über ihre Grenzen hinaus. Aber auch Kinder haben Grenzen und müssen manchmal für ihre eigene Integrität einstehen dürfen.

Dieser Artikel ist im Februar 2021 hier auf www.familienleben.ch erschienen.

Von Maya Risch

Kinder haben bereits als Baby einen eigenen Charakter, Vorlieben und Abneigungen. Jedes Kind ist einzigartig und deshalb brauchen auch nicht alle Kinder das Gleiche.

Allen Kindern ist aber gemeinsam, dass sie zu unserer Gemeinschaft Familie dazugehören und sich wertvoll fühlen wollen. Sie wollen sich geliebt fühlen und anerkannt werden als die Person, die sie sind – auch dann, wenn sie starke Gefühle wie Trauer, Wut oder Angst ausdrücken. Kinder sind von Geburt an kompetent darin, uns zu zeigen, was ihnen gefällt und wo ihre Grenzen sind. Wenn ein Baby zum Beispiel den Blick von uns abwendet, sagt es damit: «Ich habe genug gespielt, gelacht und gehört. Ich brauche eine Pause.» Es ist jedoch nicht immer einfach zu erkennen, wann unser Baby Ruhe, Schlaf oder Nahrung braucht oder wann es mit uns spielen will.

Erwartung vs. Bedürfnisse

In seinem ersten Lebensjahr sind wir sehr interessiert an den Zeichen unseres Kindes. Irgendwann beginnen wir aber zu glauben, dass wir schon wissen, wer unser Kind ist und was es braucht. Wir achten immer weniger auf seine Zeichen.

Stattdessen fangen wir an, vom Kind zu erwarten, dass es sich so verhält wie gewohnt, wie es altersmässig sein sollte oder wie es gemäss unseren Vorstellungen in der Familie angebracht wäre: «Tom ist ein Träumer», «Silvia ist sportlich», «Evi ist ein Trotzkopf» oder auch «wir wollen ein Kind, das mutig und fröhlich ist». Solche Definitionen machen es dem Kind schwer, seine Persönlichkeit eigenständig zu entfalten.

Der Konflikt zwischen Kooperation und Integrität

Kinder brauchen Eltern, die achtsam bleiben und die Persönlichkeit und das Energielevel ihres Kindes zum aktuellen Zeitpunkt wahrnehmen. Gelingt es uns Eltern, die Bedürfnisse, Eigenheiten und Grenzen unseres Kindes ernst zu nehmen und zu benennen, kann das Kind sich selber kennen lernen. 

Wir tragen damit auch dazu bei, dass seine Integrität gewahrt wird. Das Kind steht, wie auch wir Erwachsenen, in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Integrität und Kooperation:

Integrität bedeutet, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu kennen, ernst zu nehmen und für diese zu kämpfen. Kooperation bedeutet, auf die (bewussten und unbewussten) Bedürfnisse des Gegenübers einzugehen oder sich sogar nach diesen zu richten. Wir kooperieren, um uns wertvoll und geliebt zu fühlen, und so ist es auch bei unseren Kindern.

Ein Spannungsfeld entsteht nun, wenn unsere Bedürfnisse und Erwartungen jenen des Gegenübers diametral entgegenstehen. In solchen Momenten stellt sich die Frage: Wie viele Erwartungen können wir erfüllen und wie lange? Wann geht es uns nicht mehr gut damit und wir verlieren unsere Kraft? Wir geraten dann in einen inneren Konflikt zwischen unserem Bedürfnis, vom Gegenüber geschätzt zu werden und ihm entgegenzukommen auf der einen Seite und der Notwendigkeit, für unsere Grenzen und unser Wohlbefinden einzustehen auf der anderen Seite.

Kinder können nicht immer funktioinieren

Für Kinder ist dieser Konflikt sogar existenziell, da sie von uns Eltern rundum abhängig sind. Deshalb kooperieren Kinder oft weit über ihre Grenzen hinaus mit den Vorstellungen und Erwartungen, die wir an sie haben.

Ein Beispiel: Ein Kind, das in der Schule immer wieder dafür kritisiert wird, langsam zu sein, dies jedoch zu seinem Wesen gehört und nichts mit Verweigerung oder Trödeln zu tun hat, erlebt immer wieder, dass es falsch ist, langsam zu sein. Ist das Kind stark, kämpft es für sich, indem es sich vielleicht irgendwann weigert in die Schule zu gehen, weil es die Spannung nicht mehr ertragen kann. Oder es bekommt Bauchweh, Kopfweh oder andere Symptome.

Und was machen wir Eltern typischerweise? Wir sagen, dass das doch nicht schlimm sei und dass es sich ein bisschen zusammenreissen soll. Das heisst, wir fordern von ihm, dass es sich anpasst. Bloss hat es dies schon die ganze Zeit versucht und kann nun nicht mehr.

Für das Kind ist es stattdessen wichtig, dass wir uns dafür interessieren, warum es nicht mehr in die Schule will und dass wir dem Kind dabei helfen, seine Integrität zu wahren und wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das bedeutet in diesem Fall, dass wir es annehmen und auch in der Schule dafür einstehen, dass die Lehrperson sieht und anerkennt, dass das Kind bereits sein Bestes gibt und trotzdem langsam bleibt. Es ist ein riesiger Unterschied für das langsame Kind, ob es mit dieser Eigenschaft angenommen wird oder ob es immer das Gefühl vermittelt bekommt, falsch zu sein.Richtig reagieren: Wie Sie Ihr Kind jetzt unterstützen

Hat ein Kind seine eigenen Grenzen weit überschritten und kann und will gerade nicht mehr funktionieren, dann braucht es Eltern, die dies erkennen und verstehen. Es braucht Eltern, die merken, dass es sich zuerst um sein eigenes Wohlbefinden kümmern muss. Nur ist das leider viel einfacher gesagt als getan. Insbesondere, wenn wir gerade genervt sind und denken: «Warum muss mein Kind wegen dieser Kleinigkeit so einen Aufstand machen?»

Achten Sie doch im Alltag einmal darauf, wie oft ihr Kind mit Ihnen und Ihren Bedürfnissen, Zielen, Ihrem Arbeitsalltag und jenem der Schule zusammenarbeitet. Wann tut es das nicht? Vermutlich eher selten, aber sobald es mal nicht kooperiert, fordern wir von ihm, dass es sich anpassen und funktionieren soll. Manchmal nehmen wir sein Verhalten dann persönlich und glauben, dass das Kind uns provozieren will. Mögen Sie es, immer funktionieren zu müssen? Ich ermuntere Sie dazu, mehr darauf zu vertrauen, dass das Kind sein Bestes gibt und darauf, dass auch wir unser Bestes geben, das gerade heute möglich ist.

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Wer ist mein Kind? Der Blick durch die „goldenen Brille“ hilft

Reflexionsübung Selbstwergefühl "Goldene Brille"

Wer ist mein Kind? – Blick mal durch die „goldene Brille“

Von Maya Risch

 «Würde mein Sohn seine Hausaufgaben doch nur selber erledigen. Es ist so mühsam mit ihm.» «Meine Tochter sollte endlich besser rechnen lernen, sie kann das einfach nicht.» «Immer muss ich dasselbe sagen, mein Kind könnte sich doch endlich merken, dass es den Teller abräumen soll.» «Dieses ewige Gemotze, wenn mein Kind etwas mithelfen soll, geht mir auf den Keks.» Haben Sie sich auch schon bei einem solchen Gedanken ertappt?

Interessierst Du Dich noch dafür, wer Dein Kind ist? Ein gelegentlicher Blick durch die «goldene Brille» bringt eine neue Sichtweise. Ich teile hier eine gute Übung, die Du ganz einfach ausprobieren kannst.

Sie empfinden das Zusammenleben mit Ihrem Kind oder einem Ihrer Kinder als anstrengend oder mühsam und können die Freude am Zusammensein gerade nicht mehr wahrnehmen? Dann ist es an der Zeit, das Kind wieder einmal durch die «goldene Brille» zu betrachten. 

Am Anfang sind wir neugierig

Wenn ein Kind zur Welt kommt, wollen wir wissen, wer unser Kind eigentlich ist. Wir sind neugierig zu verstehen, warum das Kind weint. Bedeutet sein Schreien, dass es Hunger hat? Weint es, weil ihm langweilig ist oder weil es müde ist? Wir lernen meistens schnell, genau hinzuhören und hinzuschauen. Das Schreien der Kinder hilft uns, ihre Bedürfnisse zu erkennen und zeitnah zu erfüllen. 

 «Ach so, du magst nicht, wenn dir die Tante Marina zu nah kommt? Du fühlst dich nicht mehr sicher im Moment? Komm zurück zu Papa.» Durch unser zeitnahes Handeln findet das Kind meistens schnell wieder ins Gleichgewicht. Weil wir uns über jeden kleinen Entwicklungsschritt freuen und sehr wach sind in unserer Beobachtung, entsteht eine sichere Bindung für das Kind.

Es nimmt wahr, dass es gut aufgehoben ist und dass wir es verstehen. Sind seine Bedürfnisse erfüllt, ist es kooperationsbereit und arbeitet mit uns zusammen, lernt täglich dazu und wir auch. Wir freuen uns immer wieder daran.

Erwartungen trüben die Sicht auf das Kind

Später, wenn das Kind so vier, fünf Jahre alt ist, denken wir, dass wir wissen wer unser Kind ist, was es kann und wie es sein sollte. Wir denken: «Silvia ist ein ruhiges Kind.» «Sven ist wild und hört nicht.» «Nora ist eine gute Esserin.» «Salvatore ist ein schlechter Schläfer.» «Isabelle ist eine eifersüchtige Schwester.» «Elio ist ein hilfsbereiter Junge.» Wenn diese Prophezeiungen einmal nicht zutreffen werden wir plötzlich unzufrieden, wie in den Beispielen im ersten Abschnitt beschrieben. 

Indem wir definieren, wie unser Kind ist und Erwartungen aufbauen, verlieren wir den Bezug zum Moment. Dazu, wie es dem Kind wirklich geht und zu dem, was es eigentlich braucht. Oder wir vergleichen unser Kind mit anderen und erwarten, dass es schon selber essen, mindestens schon soundso viele Wörter sprechen oder alleine spielen können sollte. Das führt dazu, dass wir aufhören, uns dafür zu interessieren, wer das Kind gerade in dieser Phase ist, was es gerade jetzt beschäftigt, was es auszeichnet, was ihm gefällt und was nicht.

Dann ist es Zeit, das Kind durch die «goldene Brille» zu betrachten. Diese Übung stammt von Johannes H. Schopp, Lehrausbilder zur Zertifizierung von Dialogprozess-Begleiter*innen und hat sich in der Praxis immer wieder bewährt.

So können Sie durch die «goldene Brille» blicken

Holen Sie Ihre «goldene Brille» hervor. Stellen Sie sich einfach vor, Sie besitzen eine grosse Brille mit einem goldenen Rahmen. Das goldgelbe Brillenglas erlaubt es Ihnen, das Kind als das zu sehen, was es ist und wie es ihm zurzeit geht. 

Im Gegensatz zur «rosaroten Brille», die unseren Blick verklärt, entsteht hier ein möglichst neutraler, wohlwollender Blick auf das Kind. Unser Interesse daran, wer unser Kind gerade ist, ohne es gleichzeitig zu bewerten, hat eine positive Wirkung auf die Haltung dem Kind gegenüber und auf das Miteinander. Diese Haltung hilft uns dabei, das Kind so anzunehmen, wie es ist. 

Zudem weckt dieser Blick oft unsere Freude am Dasein des Kindes wieder, falls diese durch schwierige Zeiten gerade etwas verschüttet ist.

Wir können diesen Blick durch die goldene Brille schärfen, indem wir uns folgende Fragen stellen:

Was macht mein Kind gern? 
Essen mit der ganzen Familie, Ausflüge, in seinem Zimmer allein spielen, unter vielen Leuten sein, malen …

Welche Eigenschaften hat es? 
Ist es bewegungsfreudig, willensstark, ruhig, fantasievoll, hilfsbereit, an vielem interessiert, schnell, langsam? Achten Sie darauf, die Eigenschaften nicht als positiv oder negativ zu bewerten!

Was mag mein Kind überhaupt nicht? 
Fleisch, viele Leute, Katzen, Gesellschaftsspiele, Fernsehen, Fussball spielen …

Welches sind im Moment seine grössten Bedürfnisse? 
Autonomie, Nähe, Anerkennung, Gemeinschaft, Zeit, Ruhe, Neues lernen …

Was macht ihm gerade Schwierigkeiten, wo ist es herausgefordert?
Laufen lernen, Buchstaben schreiben, Lehrperson, das Tempo in der Familie, dass wir wenig gemeinsame Zeit haben, Tod von Opa …

Was tut ihm gut?
Alleine spielen, sich mit Freunden treffen, ein Wochenende ohne Pläne … 

Was tut ihm nicht gut?
Zuviel Fernsehen, dann ist es danach unruhig, mein dauernder Blick aufs Handy, dass es keine Freunde hat, meine Ungeduld …

Was freut mein Kind besonders?
Mit mir spielen, Eis essen mit Oma, wenn es etwas Schwieriges alleine geschafft hat …

Wenn Sie mögen, schreiben Sie Ihre Erkenntnisse auf. Sie können die Wirkung dieser Übung noch verstärken, indem Sie Ihrem Kind erzählen, was Sie aufgeschrieben haben. Durch das Aussprechen fühlt sich das Kind gesehen und das tut gut im Leben. Und vielleicht hilft es Ihnen sogar dabei, das Bild zu vervollständigen oder zu korrigieren.

Mir tut dieser Blick durch die »goldene Brille» immer wieder gut, vor allem, wenn ich es mit einem meiner Kinder gerade mühsam finde. Ich beobachte dabei allerdings auch, wie schnell ich anfange die Eigenschaften, Vorlieben und Erkenntnisse, mit positiv und negativ zu bewerten, obwohl ich mein Kind neutral wahrnehmen will.  Wie ist es Ihnen gerade ergangen damit? Wie wäre es, wenn Sie gelegentlich auch Ihren Partner, Ihre Partnerin durch die goldene Brille betrachten, oder sich selber?

Dieser Text von mir ist im Februar in der Onlinezeitschrift www.familienleben.ch erschienen.

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Was willst Du mir sagen?

Stille Wasser sind tief

Botschaften von Kindern verstehen

Botschaften von Kindern zu verstehen ist oft eine Kunst. Unserer Kinder haben jedoch immer einen guten Grund, sich so zu verhalten, wie sie das eben tun.

Von Maya Risch

In der Beratung erzählte mir kürzlich ein Vater, was er auf einer Wanderung erlebt hatte: «Als wir im Bergrestaurant waren, kletterte mein dreijähriger Sohn auf einmal auf den Holztisch und begann, darauf hin- und herzulaufen.» Das machte mich neugierig. Warum stieg dieser Junge auf den Tisch und ging darauf spazieren? Wollte er zeigen, wie gross er schon ist? Wollte er erkunden, wie die Welt von oben aussieht? Oder wollte er einfach seine Eltern provozieren und machte etwas, wovon er wusste, dass er es nicht durfte?

Kinder reagieren auf ihre Umwelt

Kinder haben fast immer einen guten Grund für ihr Verhalten. Sie reagieren damit auf ihre Umwelt. Für uns ist dieses Verhalten zwar manchmal ein Rätsel, es nervt uns oder wir fühlen uns dadurch provoziert. Oder wir finden, wir hätten keine Zeit für diesen «Blödsinn» und wollen, dass das Kind Ruhe gibt und sich anständig benimmt.

Der Vater berichtete weiter, dass er damals gerade einen guten Tag gehabt habe und nicht gleich losschimpfte, sondern fragte: «Was machst du denn da oben? Ich will nicht, dass du mit Schuhen auf dem Tisch herumgehst. Komm runter!» Der dreijährige Knirps antwortete: «Ihr habt mir nicht zugehört!» Aha! Der Kleine wollte mit seiner Aktion also ausdrücken, dass er bereits mehrmals versucht hatte, etwas zu fragen oder zu erzählen, was gerade wichtig für ihn war, die Eltern ihn nicht gehört hatten. Mit seinem Verhalten erhielt er die gewünschte Aufmerksamkeit natürlich schnell.

Der Vater reagierte ruhig: «Ja, das ist wahr, wir haben gerade gar nicht gemerkt, dass du uns etwas sagen wolltest. Danke, dass du uns darauf aufmerksam gemacht hast. Komm runter und ich höre dir zu». Hätte der Vater einen «schlechten» Tag gehabt, wäre er sauer geworden und hätte das Kind vielleicht angeschrien und gemassregelt. So hätte er eine Chance verpasst, die Beziehung zu seinem Sohn zu stärken und wertzuschätzen, dass sein Junge sich schon so klar ausdrücken konnte.

Interesse zeigen und hinterfragen

Für uns Eltern ist es meist schwierig, die versteckten Botschaften unserer Kinder zu verstehen. Insbesondere dann, wenn sich Kinder nicht konform verhalten, Widerstand leisten, Regeln überschreiten oder wir uns sonst irgendwie provoziert fühlen. Aggressives Verhalten von Kindern wird immer durch etwas ausgelöst. Das Kind hat seinen guten Grund, wenn es aggressiv wird, Widerstand leistet oder sich zurückzieht. Mit seinem Verhalten will es uns etwas sagen, was ihm jedoch selber meistens nicht bewusst ist.

Gelingt es uns, das Verhalten des Kindes als Einladung zu sehen, uns dafür zu interessieren, was das Kind bewegt, können wir, wie der Vater im Beispiel, manchmal verstehen, was uns das Kind mitteilen will.

So erkennen Sie versteckte Botschaften

Ihr Kind verhält sich anders als Sie es erwarten? Vielleicht will es Ihnen etwas mitteilen. Diese Botschaften könnten hinter der Aktion stehen:

«Mir geht es gerade nicht so gut, ich weiss mir nicht mehr selber zu helfen. Kann bitte jemand sehen, was mit mir los ist?“

«Ich kann nicht mehr ruhig spielen, ich brauche Bewegung.»

«Ich habe Hunger, Durst, bin müde. Ich brauche essen, trinken, schlafen.»

«Mir fehlt die Nähe zu euch, ich fühle mich alleingelassen und unverstanden. Ihr habt so viel zu tun mit dem Baby, der Arbeit, dem kranken Opa, …»

«Ich habe zu wenig Selbstbestimmung, kann nicht mitbestimmen. Nichts darf ich. Immer sagt ihr Nein.»

«Ihr kommt mir zu nahe. So fühle ich mich nicht wohl.»

«Ihr vertraut mir nicht. Nichts darf ich selber machen. Ich brauche mehr Vertrauen.»

«Ihr sagt nie Nein, ich fühle mich orientierungslos.»

Lange Zeit dachte ich, dass Kinder sagen können, was ihnen nicht passt und was sie brauchen, so wie der kleine Junge im Beispiel am Anfang. Dass dies eine Ausnahme ist, lernte ich von meinem Sohn, als er etwa 10 Jahr alt war. 

Auch ältere Kinder senden Botschaften

Eine Zeit lang entstand bei uns zu Hause an praktisch jedem Abend beim Zähne putzen und ins Bett bringen schlechte Stimmung und Streit. Mein älterer Sohn war gereizt und ärgerte seinen Bruder. Es begann mit einem Necken, dann folgte ein Abwerten, Schubsen – und so ging es weiter. Der Jüngere liess sich das nicht gefallen und wehrte sich, wurde laut und grob. Ich hielt den Lärm und die Spannung nicht aus und wurde auch laut. Nach einigen Tagen kam mir in den Sinn, dass mir mein älterer Sohn vielleicht etwas mitteilen wollte. Aber ich kam einfach nicht drauf, was dies sein könnte.

Einige Abende später reagierte ich etwas genervt aus dem Bauch heraus: «Ich verstehe einfach nicht, was los ist am Abend. Jeder Abend endet im Streit. Willst du vielleicht, dass ich dich, meinen älteren Sohn, wieder einmal zuerst ins Bett begleite?» Zu meiner grossen Überraschung antwortete er mit einem einfachen «Ja». Einen Moment lang war ich sprachlos über diese unerwartet klare Antwort, dann sagte ich: «Aha, dann sag mir das doch, das mache ich gern. Es wäre so viel einfacher für mich und uns alle, wenn du uns sagen würdest, was dich stresst.» Darauf erwiderte er: «Wenn ich das gekonnt hätte, hätte ich es ja gemacht.»

An diesem Abend wurde mir klar, dass ich die Fähigkeit von Kindern, ihre Bedürfnisse zu äussern, überschätzte. Ich realisierte, dass dies auch für ältere Kinder gilt, die sich sonst sprachlich sehr gut ausdrücken können.

Ist es nicht so, dass auch wir Erwachsenen nicht immer wissen, warum wir genervt, traurig oder aggressiv sind und was wir brauchen, damit es uns besser geht? Oft fehlen doch auch uns die passenden Worte oder wir wagen nicht, sie auszusprechen. Ist es da erstaunlich, dass dies Kindern noch viel schwerer fällt?

Dieser Text von mir ist im Januar 2020 in der Onlinezeitschrift www.familienleben.ch erschienen

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Ich will aber

Ich will aber - Selbstwertgefühl stärken, Starke Kinder

„Ich will aber“ – Wie Kinder lernen, ihre Bedürfnisse zu erkennen

Kinder haben sowohl Wünsche als auch Bedürfnisse. Ersteres müssen wir nicht immer erfüllen. Wie lassen sich diese beiden Dinge unterscheiden? Wie gehen wir damit um, wenn das Kind sagt: „Ich will aber.“

Dieser Text von mir ist im November 2019 in der Onlinezeitschrift www.familienleben.ch erschienen

Kinder wünschen sich viel Spielzeug, doch Zuwendung der Eltern, etwa in Form gemeinsamer Aktivitäten, brauchen sie wirklich.

Von Maya Risch

Kinder wollen Weihnachtsgeschenke, Glace, Süssigkeiten, ins Schwimmbad gehen, ein eigenes Handy, fernsehen und vieles mehr. Kinder wissen sehr genau, was sie wollen, setzen sich dafür ein, und kämpfen dafür. Sie wissen jedoch oft noch nicht, was sie wirklich brauchen, nämlich Nähe, Schlaf, Selbstwirksamkeit, Beziehung, Kontakt, sich wertvoll fühlen für die Gemeinschaft, Liebe, Sicherheit, Orientierung.

Deshalb haben sie uns Eltern. Wir müssen ihnen helfen, das eine vom anderen zu unterscheiden. Was Kinder wollen, sind Wünsche, bei dem, was sie brauchen, geht es um ihre Bedürfnisse. Diese können sie meistens noch nicht in Worte fassen, deshalb sind diese zum Teil unter Wünschen versteckt oder werden verwechselt.

Kinder müssen erst lernen, ihre Bedürfnisse zu erkennen

Als mein Sohn ungefähr 5 Jahre alt war, wollte er abends regelmässig beim ins Bett gehen plötzlich nochmal etwas essen, weil er Hunger hatte. Das erstaunte mich, weil er doch gerade kurz vorher ausgiebig zu Abend gegessen hatte und satt sein musste. In dieser Phase wollte er auch tagsüber immer mal wieder etwas essen, und zwar immer dann, wenn er sich schwach fühlte und keine Kraft zum Spielen mehr hatte.

Erst nach längerer Zeit erkannte ich, dass er sein Bedürfnis nach Schlaf nicht von jenem des Hungers unterscheiden konnte, weil beides das Gefühl von Kraftlosigkeit mit sich brachte. Als ich ihm Worte für dieses Gefühl gab und er verstand, dass auch Schlaf frische Energie gibt, erweiterte sich nicht nur sein Wortschatz, sondern er lernte auch, das eine Bedürfnis vom anderen zu unterscheiden.

Wenn wir Kindern Worte geben für das, was sie tun und benennen, was sie gerade erleben, lernen sich die Kinder immer besser kennen. So tragen wir viel dazu bei, dass sie ihre Bedürfnisse immer klarer ausdrücken können.

Weihnachten ist die Zeit vieler Wünsche

Bald ist Weihnachten. Da wünschen sich die Kinder besonders viel; Spielsachen, Süssigkeiten, elektronische Geräte und mehr. Dass das Kind Wünsche äussert, ist vollkommen in Ordnung. Das Christkind freut sich über die Wünsche, wir Eltern meistens weniger, vor allem dann nicht, wenn sie plötzlich mitten im Geschäft geäussert werden und sofort erfüllt werden sollen. Das macht uns Stress, weil wir glauben, uns schnell für «Ja» oder «Nein» entscheiden zu müssen.

Dabei braucht das Kind in erster Linie, dass wir ihm zuhören und uns dafür interessieren, was es sich wünscht. «Was findest du so faszinierend an der Zuckerwattemaschine?» «Ach so, dir gefällt, dass du damit selber etwas herstellen kannst», «Was gefällt dir denn so gut am neuen Playmobilhaus?», «Ich wusste gar nicht, dass du so gern eines haben möchtest, um mit deiner Freundin damit Krankenhausgeschichten zu spielen.»

Weil wir schon ein auf dem Boden liegendes, schreiendes Kind vor unserem inneren Auge sehen oder denken, keine Zeit zu haben, geraten wir oft sehr schnell in eine Abwehrhaltung und verpassen damit eine Chance für einen Dialog. Und damit eine Gelegenheit, mit dem Kind in Beziehung zu sein und etwas darüber zu erfahren, was unserem Kind so gefällt, und was ihm etwas bedeutet.

Denn das Kind will immer beides, die Zuckerwattemaschine bekommen und Kontakt mit uns haben. Lassen wir uns auf seinen Wunsch ein und hören ihm zu, erfüllen wir sein Bedürfnis nach Kontakt und emotionaler Nähe, auch wenn wir nachher sagen: «Nein, ich kaufe das Playmobilhaus jetzt nicht.»

Wünsche können und müssen nicht immer erfüllt werden

Dass wir uns dafür interessieren was dem Kind an der Zuckerwattemaschine gefällt, bedeutet nämlich nicht, dass wir ihm diese kaufen müssen. Bestimmt haben Sie auch schon erlebt, dass es so ist, dass ein erfüllter Wunsch das Kind zwar kurzfristig «glücklich» macht, die Zufriedenheit aber meist nicht lange anhält.

Denn das Playmobilhaus zu bekommen, trägt nichts dazu bei, sich geliebt  und als wertvoller Teil der Gemeinschaft zu fühlen. Und das strebt das Kind eigentlich an. Wie ist es denn bei uns, wenn wir uns ein neues Paar Schuhe leisten, das wir uns gewünscht haben? Kann dies unser Bedürfnis nach Wertschätzung für unser Engagement in der Familie ersetzen?

Auch Eltern haben Bedürfnisse

Das Wohlbefinden und die Kooperationsbereitschaft der Kinder hängt in den ersten Lebensjahren stark davon ab, ob ihre Bedürfnisse wahrgenommen und zeitnah erfüllt werden. In der ersten Lebensphase unserer Kinder müssen wir Eltern unsere eignen Bedürfnisse immer wieder sehr zurückstellen, jene der Kinder stehen im Zentrum.

Kinder brauchen Hilfe beim Einschlafen, dabei sich zu regulieren, wenn sie aufgeregt oder wütend sind, sie brauchen Nahrung, Zeit mit uns Eltern, ohne dass wir dabei auf unser Handy schauen, sie brauchen Kontakt, Zuwendung und Nähe, und sie brauchen Erwachsene, die ihnen die Welt erklären.

Auf lange Sicht können wir allerdings nur dann gut für unser Kind sorgen, wenn wir auch unsere eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verlieren. Im Verlauf der Jahre können die Kinder lernen, ihre Bedürfnisse auch mal kurz aufzuschieben, und wir können und sollen unsere eigenen Bedürfnisse wieder vermehrt wahrnehmen und auch mal in den Vordergrund stellen.

So sorgen wir dafür, dass sich unser Energietank wieder füllt und übernehmen die Verantwortung für unser Wohlbefinden. Das Kind lernt am Vorbild, dass auch wir Bedürfnisse haben und erhält eine Idee davon, wie Selbstfürsorge und Eigenverantwortung aussehen können.

Ich wünsche allen viel Erfolg dabei, Wünsche von Bedürfnissen zu unterscheiden und dass es immer wieder gelingt, «JA» zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zu sagen.

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Mut zu persönlichen Grenzen

Mut zu persönlichen Grenzen

An manchen Tagen können Eltern Kinderlärm nur schwer ertragen. Vielleicht ist es an der Zeit, eine persönliche Grenze zu formulieren?

Von Maya Risch

Kinder brauchen Grenzen! Kinder brauchen Freiheit, um sich gesund zu entwickeln! Zwei widersprüchliche Sätze, die wir Eltern immer wieder zu hören und zu lesen bekommen. Wie sollen wir mit diesem Widerspruch umgehen? Setze ich meinem Kind zu wenig Grenzen? Wird es so zu einem unsozialen Menschen heranwachsen, der nicht gelernt hat, andere zu respektieren? Schränke ich mein Kind zu stark ein? Behindere ich seine Entwicklung und mein Kind entwickelt sich zu einem unsicheren Erwachsenen? Solche und ähnliche Fragen stellen sich Eltern immer wieder.

Kinder sollen auf jeden Fall ihre eigenen Grenzen erfahren und diese, ihre Fähigkeiten und Grenzen, ausweiten dürfen. Sie brauchen zudem Erwachsene, die klare persönliche Grenzen ziehen.

Grenzen so zu erfahren, gibt Orientierung und Sicherheit. Impulskontrolle und Frustrationstoleranz können sich entwickeln.

Kinder erfahren eigene Grenzen und stossen an unsere Grenzen

Kinder wachsen und entwickeln sich. Sie entdecken die Welt, erobern Räume und erweitern ihren Aktionsradius laufend. Dabei erleben sie einerseits immer wieder Erfolge, andererseits, dass sie an ihre eigenen Grenzen stossen, zum Beispiel wenn sie als Einjährige versuchen zu laufen und umfallen oder später den Reissverschluss selber zuzumachen versuchen und das nicht auf Anhieb klappt – oder wenn sie auf einen Baum klettern wollen und den Ast noch nicht erreichen können.

Es ist nicht die Aufgabe des Kindes, unsere Grenzen zu spüren, sondern es ist unsere Aufgabe, diese klar und deutlich erkennbar zu machen.

Wenn wir die Kinder ermutigen, Erfahrungen zu machen, sie selber Lösungen suchen lassen, ohne gleich helfend einzuschreiten, tragen wir viel zu einer gesunden Entwicklung ihrer Frustrationstoleranz und Selbstwirksamkeit bei. Gleichzeitig erfahren und erleben Kinder hier Grenzen; Limits, die sich auf Grund ihres eigenen Könnens und Lernens natürlich ergeben. Diese Grenzen dürfen sie erweitern. Die Überwindung derselben führt letztendlich oft zu Erfolgserlebnissen und so zur Stärkung ihres Selbstvertrauens.

Kinder erleben auch Einschränkungen, wenn sie an die Grenze von uns Eltern stossen. Dann sagen wir als Eltern oft: «Ich komme an meine Grenze mit meinem Kind» und meinen damit, dass ihre persönliche Grenze erreicht ist. Das ist gut und zeigt uns Eltern, dass der Moment gekommen ist, dem Kind diese, unsere Grenze deutlich zu machen. Häufig denken wir in solchen Momenten, dass das Kind doch selber merken sollte, dass jetzt genug ist. Das kann und tut es aber in der Regel nicht. Es ist nicht die Aufgabe des Kindes, unsere Grenzen zu spüren, sondern es ist unsere Aufgabe, diese klar und deutlich erkennbar zu machen.

Unterschied zwischen Regeln und persönlichen Grenzen

Menschliche Gesellschaften brauchen soziale Regeln, Gebote und Verbote wie z.B. Verkehrsregeln oder das Verbot zu stehlen. Auch Familien brauchen ein paar wenige Regeln und Verbote. Diese Regeln sind allgemeine, unpersönliche Grenzen.

Allgemeine Grenzen sind starr. Kinder erleben diese Art von Grenzen oft als willkürliche Einschränkung ihrer Freiheit. Gesunde Kinder von heute nehmen diese Einschränkung selten einfach so hin, sondern rebellieren dagegen. So entstehen anstrengende Machtkämpfe, bei denen beide Seiten viel Energie verlieren und die einer guten Beziehung im Weg stehen. Deshalb ist es wichtig, nur so viele dieser Regeln aufzustellen, wie wir wirklich als dringend nötig erachten. Drei bis vier reichen aus.

Natürlicherweise dehnen Kinder ihre Aktivitäten so weit aus, leben so weit nach ihren Vorstellungen, bis sie an unsere Grenzen stossen, oder an die Grenzen einer sozialen Gruppe oder eines anderen Gegenübers.

Diese Grenzen sind persönlich, von Person zu Person anders. Nicht nur, weil sie von Mensch zu Mensch variieren, sondern auch weil sie von Tag zu Tag unterschiedlich sein können. Wir haben nicht jeden Tag gleich viel Energie und Geduld, uns mit unseren Kindern zu beschäftigen und z.B. Lärm auszuhalten. Entscheidend ist nun, dass wir diese Grenzen ehrlich als das kommunizieren, was sie sind, nämlich unsere persönliche Grenze im Hier-und-Jetzt.

Persönliche Grenzen – versus allgemeine Grenzen und Regeln

Im folgenden Beispiel zeige ich, wie wir mit allgemeinen oder persönlichen Grenzen auf ein Verhalten reagieren können.

Wenn mein Sohn alle Pfannen und Kochlöffel aus dem Küchenschrank hervorholt, um damit laut Musik zu machen, stört mich das heute vielleicht, da ich müde oder lärmempfindlich bin. Nun kann ich mich entscheiden. Will ich ein Verbot (starre Grenze) aussprechen? «Mit Pfannen spielt man nicht.» «Das Musikmachen mit Pfannen ist verboten.» Hier wird das Verhalten des Kindes eingeschränkt und das Kind ist aufgefordert, das Verbot ernst zu nehmen. Wenn ich die Grenze auch noch in einem scharfen Ton (schimpfend) aufstelle, fühlt sich das Kind ausserdem falsch mit seiner Idee, mit Pfannen musizieren zu wollen.

Bei einer persönlichen Grenze lernt das Kind etwas darüber, was mir wichtig ist, wie es mir gerade geht und lernt MICH ernst zu nehmen anstelle einer starren Grenze oder eines Verbots.

Ziehe ich eine persönliche Grenzen? Dann kann ich zum Beispiel zu meinem Kind sagen: »Nein, ich will nicht, dass du jetzt hier mit den Pfannen musizierst. Ich ertrage das gerade jetzt nicht, mir ist es zu laut.» «Du darfst gern in deinem Zimmer weitermachen. Ich sehe, dass dir das Spass macht.» oder «Diese Pfanne ist mir sehr wichtig, ich will nicht, dass du damit spielst.» So lernt das Kind etwas darüber, was mir wichtig ist, wie es mir gerade geht und lernt MICH ernst zu nehmen anstelle einer starren Grenze oder eines Verbots.

Beim Ziehen persönlicher Grenzen geht es darum, dass ich mich als Mutter/Vater in einer persönlichen Sprache klar auszudrücken, was, MIR gerade jetzt zu viel ist, wo ich gerade jetzt an meine Grenzen komme und was ICH WILL oder NICHT WILL. Hilfreich ist es, dem Kind gleichzeitig zu zeigen, dass ich seinen Wunsch oder das Bedürfnis gehört, wahrgenommen habe. Sein Verhalten und was es will ist ja nicht falsch.

Persönliche Grenzen zu ziehen braucht Mut und Klarheit

Wir können uns nicht hinter Allgemeinplätzen oder unserer Rolle als Elternteil verstecken, sondern müssen Farbe bekennen. Und das fällt uns im Allgemeinen viel schwerer, als uns lieb ist.

Wenn Kinder erleben, dass ihre Grenzen wahrgenommen und respektiert werden, sind sie viel öfter bereit, uns und unsere Grenzen ebenfalls ernst zu nehmen.

Manchmal überschreiten Kinder unsere Grenzen. Sie tun das meistens, weil sie unsere Grenzen (noch) nicht kennen oder nicht klar wahrnehmen – und nicht, um uns zu provozieren oder zu ärgern. Sie stehen für sich und ihre Wünsche und Bedürfnisse ein und wollen dabei herausfinden, was uns wirklich wichtig ist und was wir wirklich nicht wollen. Ihre Bedürfnisse oder Wünsche prallen auf unsere, ein gesunder Konflikt entsteht. Darüber, wie wir damit umgehen können, ein andermal mehr.

Im Zusammenhang mit Grenzen dürfen wir nicht vergessen, dass auch unsere Kinder persönliche Grenzen haben. Sie zeigen schon früh, ob ihnen körperliche Nähe angenehm ist oder ob sie genug gegessen haben, ob sie Ruhe brauchen oder nicht länger allein sein mögen. Hier sind es wir Erwachsenen, die lernen müssen die Grenzen der Kinder wahr- und ernstzunehmen.

Wenn Kinder erleben, dass ihre Grenzen wahrgenommen und respektiert werden, steigt ihre Kooperationsbereitschaft und sie sind viel öfter bereit, uns und unsere Grenzen ebenfalls ernst zu nehmen.

Einladung zur Selbstreflexion

Wie gut achten Sie auf Ihre Grenzen bezüglich Energie und Müdigkeit? Wie oft nehmen Sie Ihre Grenzen zu spät war und sorgen zu wenig für sich? Kommt es dann vor, dass Sie unbeherrscht auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder reagieren? Wie ernst nehmen Sie die Grenzen Ihres Kindes?

Buchtipps:
Rolf Sellin, «Bis hierher und nicht weiter!»: Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen.

Jesper Juul, «Nein aus Liebe» Klare Eltern – starke Kinder

Im September 2019 ist dieser Artkel von mir in der Onlinezeitschrift www.familienleben.ch erschienen.

Mit einem Klick auf den Titel kannst Du den Artikel als PDF downloaden.

„Tut Wut gut?“ Umgang mit Wut und Aggression

"Tut Wut gut?" Umgang mit Aggression, www.mayarisch.ch
"Tut Wut gut?" Umgang mit Aggression, www.mayarisch.ch
wütendes kleines kind

„Tut Wut gut?“
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mgang mit Wut und Aggression

In vielen Familien stellt der Umgang mit Wut und Aggression von Kindern eine grosse Herausforderung dar. Jesper Juul hat meiner Meinung nach eine interessante Sicht zu diesem Thema zu bieten.

Unsere aggressiven Emotionen werden oft dann mobilisiert, wenn wir uns nicht als so wertvoll für einen anderen Menschen empfinden, wie wir es gerne wären oder wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Was denkt ihr? „Tut Wut gut?“
„Hmm , also wenn mein Kind wütend ist, schreit und tobt, dann tut mir das nicht gut, es stresst mich, macht mich oft hilflos, weil ich nicht weiss, wie ich damit umgehen soll“, sagt meine Freundin, als ich ihr die entsprechende Frage stelle. Und was sagt ihr Sohn? „Ja, mir tut es gut, wütend zu sein, Dampf abzulassen. Wenn ich ganz laut schreie und wüte, bin ich nachher irgendwie leichter und ruhiger,“ antwortet der Junge, als ich ihn frage.

Wie begegnest Du deinem Kind, wenn es „geladen“, aggressiv nach Hause kommt? Wie drückst Du deinen Unmut aus, wenn du dich ärgerst und wie geht es dir dabei?

Wenn du wissen willst, wozu Aggression gut ist, wie Du mit Wutanfällen Deines Kindes umgehen kannst und Deine Erfahrungen mit anderen Eltern austauschen möchtest, biete ich Dir untenstehenden Workshop an.

So haben Teilnehmende den Workshop erlebt


Nächste Workshops „Tut Wut gut?“

Donnerstag, 24.11.2022 und Donnerstag, 8.12.20.22
2×2 Std. online an zwei Abenden

28. Januar 2023,, 8.30 – 12.30 Uhr
4 Stunden vor Ort in Zürich-Oerlikon

 Auf dem Laufenden bleiben und weitere Kursdaten direkt zugeschickt bekommen

Weil wir glauben oder erlebt haben, dass Aggression zu Gewalt führt oder weil wir andere schmerzhafte Erfahrungen mit dem Ausdrücken von Wut gemacht haben, lassen wir sie nur ungern zu und tun uns schwer damit, einen adäquaten Umgang mit der Wut unserer Kinder und unserer eigenen Aggression zu finden.

An diesem Workshop erhältst Du Anregungen dafür wie Du gelassener auf die Wutausbrüche Deines Kindes reagieren kannst. Wir beschäftigen uns damit, welche wichtigen Aufgaben die Wut im menschlichen Dasein erfüllt.  Ich vermittle Wissen und wir setzen uns in der Gruppe mit folgenden Fragen auseinander:

  • Wie können wir der Wut unserer Kinder konstruktiv begegnen?
  • Welche Strategien haben wir Erwachsenen, unsere Gefühle zu regulieren?
  • Wie geht es uns, wenn wir wütend sind?
  • Was steckt hinter der Aggression?
  • Was zeigt sie uns?
  • Wozu ist Wut gut?

Fachlicher Input und Austausch, neue Impulse und Reflexion sind Teil dieses Workshops.
Am ersten Abend erhaltet ihr vor allem Wissen und Informationen zum Thema und wir setzen uns mit unserer eigenen Wut und Strategien zur Regulierung auseinander. Der Umgang mit der Wut der Kinder sowie Eure Fragen und persönlichen Situationen, für die ihr neue Wege sucht, stehen am zeiten Abend im Zentrum.

Für Eltern, Grosseltern und weitere Interessierte

Kosten: Fr. 100.-/Person, Paar Fr. 180.-
Anmeldung: kontakt@mayarisch.ch

Wenn Du lieber den Umgang mit diesem wichtigen Thema lieber in einem individuellen Gespräch besprechen willst, dann begleite ich Dich gern im Rahmen einer Beratung dabei. Dies ist Online möglich oder in meiner Praxis am Rosmarinweg 3, 8057 Zürich.

Wut ist eine Kraft

Jesper Juul, Artikel zu Aggression

Buchtipp: Jesper Juul, Aggression, erhältlich im Onlineshop von familylab.ch

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